rp-haus-merks-michael-schwarz

Haus Merks erwacht – Rheinische Post – 2010

Düsseldorf. Sven van Gelder und Michael Schwarz haben das über 200 Jahre alte Haus Merks wieder zum Leben erweckt. Nach monatelangen Sanierungsarbeiten eröffnet dort Ende der Woche ein neues Café mit historischem Flair. Von Christiane Bours.

Noch haben die Handwerker im Haus Merks das Sagen, noch sind dort Pinsel, Hammer und anderes Werkzeug im Dauereinsatz, noch herrscht in den Räumen geordnetes Chaos. Doch das wird sich bis spätestens Freitag, 1. Oktober, ändern, denn dann öffnet im Haus Merks an der Speestraße in Lintorf das neue Café von Michael Schwarz. Das Besondere: Mit Haus Merks haben sich Michael Schwarz und Inhaber Sven van Gelder eines der geschichtsträchtigsten Häuser im ganzen Stadtteil ausgesucht.

Vor über 200 Jahren wurde die Kotte, wie Haus Merks im Fachjargon heißt, gebaut. Seitdem wohnten dort Menschen und ihre Tiere eng beieinander, rund um das kleine, rote Haus herum waren nur Wiesen und Felder. Über die Jahre hinweg verkauften die Besitzer immer mehr Land und der Ortsteil Lintorf, wie wir ihn heute kennen, entstand. Inmitten der neuen, modernen Häuser sah das kleine Haus Merks immer mehr wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten aus, das nicht mehr so recht ins Stadtbild passen wollte. Hinzu kamen Erbstreitigkeiten, und so sollte das Haus abgerissen werden.

Doch das ließ die Denkmalbehörde nicht zu, das Haus sollte als Zeitzeugnis bestehen bleiben. Zu diesem Zeitpunkt kamen Sven van Gelder und Michael Schwarz ins Spiel. Die beiden Höseler haben ein Faible für längst vergangene Zeiten und überlegten, was sie aus Haus Merks machen könnten. Architekt Sven van Gelder erwarb das Haus und sanierte es, Michael Schwarz wird dort das neue Café führen.

Seit acht Monaten wird in dem Haus inzwischen gearbeitet, natürlich immer abgestimmt mit der Denkmalbehörde. Verfaulte Eichenbalken mussten entfernt, das Fachwerk erneuert werden. “Die Altsubstanz musste erhalten bleiben”, erklärt van Gelder. Dasselbe galt für die Deckenbalken, die alte Treppe, die Sprossenfenster und sogar für die Farbgestaltung im Haus. Die Türen mussten in Rehbraun gestrichen werden, die Wand bekam einen gelblichen Ockerton aus Leinölfarbe. “Das Einzige, was wir aussuchen durften, waren die Bordüre an der Wand, die Fenstergriffe und die Trittsteine an den Ausgängen”, so van Gelder.

Doch nicht nur das Haus, sondern auch die Einrichtung ist historisch. Van Gelder und Schwarz haben jedem Raum ein Motto verpasst, in der abgetrennten Raucherlounge dreht sich alles um die Seefahrt, im großen Raum gegenüber tauchen die Gäste in die Zeit von 1900 bis 1920 ein. Abgerechnet wird an einer uralten Kasse. “Beim Saubermachen hab ich ein Zertifikat vom 31. Juli 1924 in der Kasse gefunden”, so Michael Schwarz. Und auch das alte, schwarze Telefon gehört zu einem längst vergangenen Jahrzehnt, genau wie die alte Theke und die ebenso alte Kaffeemaschine. Logisch, dass auch der Rest der Einrichtung entsprechend aussieht.

Die Lintorfer interessieren sich nach anfänglicher Skepsis jedenfalls sehr für das neue, alte Haus Merks. “Beim Handwerkermarkt haben wir 3500 Menschen hier durchgeschleust”, so van Gelder. 15 geschlossene Gesellschaften wurden gebucht, obwohl weder Speisekarte, noch Preise feststanden. “Das war ihnen egal, sie wollten einfach ins Haus Merks”, so van Gelder.

Quelle: Rheinische Post

Foto: Achim Blazy: achim.blazy@das-aktuelle-foto.de